Heimreise

An dem Ort, von dem aus sie sich wieder besser bewegen kann, an dem die wenige Sicherheit in ihrem Leben greifbar ist, hat sie in wenigen Stunden die Kraft gesammelt bald wieder aufbrechen zu können.

In Köln steigt sie um. Bevor der Zug hält, lacht ihr Sitznachbar sie an, weil sie sich im Gehen zu den Fenstern neigt. Sie sucht den Dom, versinkt ihren Blick im Rhein. In der nächsten Bahn, einer langsamen Regionalen fährt sie die Hügel mit den Händen nach, wie sie kommen. Sie steigt aus, in einer benachbarten Gemeinde. Die eigene hat keinen Bahnhof. Sie atmet tief ein, die Bäume haben einen ganz speziellen Geruch. Es riecht nach Wärme, nach Feuchtigkeit, um ihr Gesicht weht eine ganz sanfte Frische.

Hier will ich hin.

Sie muss noch ihr Zeug holen. Sie fährt insgesamt eintausendvierhundert Kilometer, packt einmal ihr Zimmer in einen Transporter und einmal wieder aus. Sie heult, umarmt, lacht, raucht und trinkt heiße Schokolade.

Es war eine wunderschöne Zeit.

Sie richtet sich wieder in ihren wenigen Quadratmetern ein, schreibt, plant und raucht – wie immer. Sie zofft sich, ist genervt und ignoriert bestimmte Dinge wie schon in ihrer Kindheit. Doch ihre Toleranz ist gewachsen. Es ist jetzt wieder ihr Ort und sie hat keine Sorge mehr in seinen schlechten Eindrücken zu versinken. Von hier aus hat sie das Gefühl alles angehen zu können.

Hier bin ich richtig.


About this entry