Grenzgänger

Sie zog niemanden zu rate, nur ihren eigenen Kopf, ihren Bauch und die Tageszeiten. Sie hat Gründe gefunden, die sie seitenweise aufgeschrieben hat. Sehr viele Gründe dafür und nur sehr wenige dagegen. Sie hat es nur aufgeschrieben, jedoch nicht nochmal gelesen. Sie weiß noch, was da steht.

Sie geht an der Grenze entlang und sieht sich um. Diesmal darf es nicht spontan sein, aber alles drumherum soll es bleiben. Das kriegt sie hin. Denn es geht nicht um Menschen, die eigentlich Verantwortung für sie hätten. Es geht um Freundschaft. Das Wichtigste. Es wird funktionieren. Es funktioniert. Und wenn etwas nicht stimmt, gibt es Gespräche, Briefe, Augenblicke. Sie findet die richtige Antwort tief in sich selbst. Nicht in Ratschlägen, nicht in rationalen Risiken, nicht in spontanen Eingebungen; nur in sich selbst.

Sie bleibt auf der Grenze. Der Unterschied zu ‘damals’ ist, dass der Abgrund einige Meter entfernt ist. Sie weiß, dass sie manchmal diese Meter gehen muss, in diese Tiefe schauen muss. Aber diesmal nicht. Sie bleibt, weil es sich richtig anfühlt da, wo sie ist.


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