Zeitverschiebung

Sie war an ihrer bald schon ehemaligen Schule – die Schule, die ihr in der nächsten Woche noch ein paar Mal begegnen wird, zum Abschied. Sie war dort, weil sie eine Ruhestätte für jemand anderen suchte. Einen Platz, an dem man nachts nicht gestört wird, der nicht fremd ist, der geschützt ist und der weniger negative Atmosphäre besitzt als der Ort, von dem man kommt.

Nachts an die eigene Schule gehen hieß immer Haltlosigkeit; Heimatsuche. Sie hat mittlerweile Halt in sich selbst, in ihren Freunden und manchmal sogar in ihrer Familie. Da ist ein Rest Misstrauen geblieben – in allem. Also verlässt sie sich auf nichts, auf niemanden; zumindest nie ganz. Immer offener geworden durch Schmerz, mit dem Wissen, enttäuscht werden zu können.

Rollentausch: Diesmal gab sie den Trost.

Sie wird dieser Schule nur noch ein letztes Mal als Schülerin begegnen. Sie wird den Abschied hinnehmen, ihn feiern und sich jedes Traumas, jedes glücklichen Moments erinnern. Diese Vergangenheit wird ganz kurz zur Gegenwart, das Jetzt lacht sie außen stehend aufmunternd an während die Zukunft sie in die Arme nimmt und sich mit ihr dreht bis ihr schwindelig wird.

Ihre Zeit rennt mit ihrem Leben davon und lacht sie schelmisch aus, wenn sie aus lauter Hast sie einzuholen einfach an ihnen vorbei läuft.

Irgendwann wird sie wieder eins sein. Bis dahin ist sie abertausend Punkte, die in ihrem eigenen Bauch kribbeln.


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