Sehnsucht nach Einfachheit
Die Tür zum Balkon steht auf – es ist wieder unglaublich warm geworden und sie versucht ihre Gedanken abzukühlen. Sie hört die Nachbarn lachen, der Feierabend weht herüber. Menschen, die sich nach getaner Arbeit mit Freunden entspannen. Immer wieder in den Sommern fällt ihr genau das auf: Ähnliches gibt es bei ihr nur vereinzelt. Ihre Freunde sind versprengt in verschiedene Runden, aus denen sie sich teils gelöst hat, in die sie teils nicht vollständig integriert sein möchte.
Sie weiß, bevor sie etwas wie eine Ruhe im Alltag hat, muss sie einen Alltag haben. Eine Weisheit, mit der sie einem großen Teil ihrer Familie voraus ist. Entspannung dadurch erfahren, dass sie eine Regel hat, die sich bricht – klingt nicht nach ihr. Sie ist unbeständig. Doch manchmal – wenn das Lachen herüberweht, wünscht sie sich nichts sehnlicher. Sie erinnert sich an ruhige Abende, die sie in angenehmer Gesellschaft verbracht hat; mit einem Bier in der Hand, in leichter Platznot, die Füße im Schoß eines Freundes ruhend, lachend; ohne sich Gedanken zu machen wie ‘albern’ es ist – denn das war es nicht.
Sie sucht so oft nach Menschen, die Ihresgleichen annehmen. Einige hat sie gefunden, doch für einen Alltag reicht es noch nicht. Sie fühlt sich so oft fern von allen.
Die Tatsache, dass sie auf ihrer letzten Reise und in den wenigen Wochen drumherum so viel ruhiger geworden ist, so viel sicherer in dem, was sie tut, sicherer in ihrer Unbeständigkeit – erwachsener? Sie erwischt sich dabei, wie sie lächelt, als wäre sie ein kleines Mädchen, dass ein rosa Pony geschenkt bekommen hat, weil sie die 2CV ihres Vaters fährt. Kinderträume machen sie nicht weniger alt.
Es ist die Sicherheit, die sie ernst werden lässt, ehrlich sein lässt. Keine undurchdachten Handlungen nur weil sie nicht weiß was sie denkt.
Es ist erstaunlich, wie Sie sich selbst reflektieren können. Sie ist mittlerweile sogar immer öfter in der Lage, ihre Gedanken auszudrücken ohne eine Lösung zu verlangen, zu erzwingen. Sie denkt nach und ändert ihre Meinung.
Es ist erstaunlich. Dieses trotzige kleine Gör geht Wege, auf denen ihr niemand folgen kann. Sie wäre nur noch etwas glücklicher, wenn sie mehr von der Sorte Mensch finden würde, deren Wege nah vorbei führen und den Ihren manchmal kreuzen.
Sie lässt die Nachtluft herein um ihre Gedanken abzukühlen während das Lachen von fremden Menschen herüberweht. Sie geht hinaus und badet kurz in der Stimmung. Sie schließt die Tür hinter sich, öffnet das Fenster zu der ausgestorbenen Straße hin und schreibt eine to-do-liste für die Dinge, die sich nicht mehr in der Nacht erledigen kann. In ihr Leben passt gerade ein wenig Alltag.
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- Published:
- 9. Mai 2008 / 23:33
- Category:
- In Gedanken leben
- Tags:
- Alltag, Einsamkeit, Erwachsensein, Reflektion, Sehnsucht, Veränderung, Wege
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